Augenringe, Antifaltencremes & Co: Beauty-Mythen aufgedeckt

Als Fachärztin fr Dermatologie und zertifizierte Neurodermitistrainerin hat sich Dr. med. Michaela Schmidt-Lauber unter anderem auf das Thema Chronische Hautkrankheitenspezialisiert. Dr. med. Ingrid Schmoeckel ist Fachärztin für Dermatologie und Venerologie mit Zusatzbezeichnung Allergologie und bereits seit 2011 am DERMATOLOGIKUM Hamburg.

Sind Gesichts-Seren wirksamer als Gesichtscremes?

Dr. med. Ingrid Schmoeckel: Das kann man so nicht sagen. Jedoch enthalten Seren häufiger konzentriertere Inhaltsstoffe als Cremes. Sie werden direkt nach der Reinigung in die Haut einmassiert und zur rückfettenden Hautpflege wird dann je nach Hauttyp eine entsprechende Creme oder Salbe darüber aufgetragen.

Gibt es eine wirksame Behandlung gegen „Winkearme“ ?

Dr. Schmoeckel: Ja, man kann die erschlaffte Haut an den Oberarmen operativ entfernen. Ist der Befund noch nicht stark ausgeprägt, ist auch eine Straffung mittels eines Kombinationsverfahrens aus Radiofrequenz und Mikroneedling und /oder mikrofokusiertem Ultraschall möglich. Vorbeugend ist regelmäßiger Sport zu empfehlen.

Dr. med. Ingrid Schmoeckel ist bereits seit 2011 am DERMATOLOGIKUM Hamburg
Dr. med. Ingrid Schmoeckel ist bereits seit 2011 am DERMATOLOGIKUM Hamburg

Kann man Dehnungsstreifen wieder „glatt ziehen“?

Dr. Schmoeckel: Die Behandlung von Dehnungsstreifen ist möglich, aber meist langwierig und damit auch kostspielig. Angestrebt wird ein Rückgang der Rötung bei neu entstandenen Streifen und ein Schrumpfen der „gerissenen“ Haut. Dabei kommt eine Mischung aus verschiedenen Methoden zum Einsatz: fraktionierte Laser, Mikroneedling, Radiofrequenz- und Mesotherapie.

Machen Peelings die Haut dünner bzw. empfindlicher?

Dr. Schmoeckel: Peelings machen die Haut feiner. Wichtig ist, dass das Peeling zum Hauttyp passt. Ansonsten kann die Haut tatsächlich empfindlicher werden. Bei jedem Peeling ist ein konsequenter Lichtschutz danach ein Muss.

Sollte man Augencreme verwenden?

Dr. med. Michaela Schmidt-Lauber: Aufgrund der unterschiedlichen Hauttextur der Augenpartie empfiehlt sich besonders bei empfindlichen Hauttypen die Anwendung einer Augencreme. Hier sind abschwellende und feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe ohne fettige Grundtextur ratsam. Anders verhält es sich bei Patientinnen und Patienten mit Lidekzemen. Diese benötigen spezielle Augencremes zur Unterstützung und zum Aufbau der geschwächten Hautbarriere.

Wie können Augenringe reduziert werden?

Dr. Schmidt-Lauber: Augenringe können unterschiedliche Ursachen haben. Leichte Augenschatten entstehen meist durch Schlafentzug, ungesunden Lebensstil und Nikotin. Sie gehen bei ausreichender Erholung selbstständig zurück. Starke Flüssigkeitsansammlungen können Hinweis auf eine Nierenerkrankung sein und bedürfen einer ärztlichen Abklärung. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch bei Augenschatten um eine Abnahme des Unterhautfettgewebes, sodass durchschimmernde bläuliche Gefäße den Schatten der Tränenrinne hervorrufen. Hautärzte können hier z.B. über eine Applikation von Hyaluronsäure (Fillern) in die Tränenrinne zum Volumenaufbau beraten.

Ist es sinnvoll, bei ersten Fältchen auf eine Behandlung mit Botox zu setzen?

Dr. Schmidt-Lauber: Zunächst sollte das Voranschreiten der Faltenbildung aufgehalten werden. Denn nur ca. 20% der Hautalterung ist genetisch bedingt, der Rest geschieht durch Umweltexposition wie Sonnenlicht und Lebensstil. Essenziell ist deswegen ein konsequenter Sonnenschutz. Morgens kann zudem eine Tagescreme mit feuchtigkeitsspendenden Substanzen wie Hyaluronsäure aufgetragen werden. Eine abendliche Pflege mit verschreibungspflichtigen Vitamin-A haltigen Cremes mildert kleine Fältchen und beugt deren Entstehung vor. Weitere ästhetische Behandlungsmöglichkeiten wie Botulinumtoxin-Injektionen können zur Prävention der Entstehung tieferer Falten hilfreich sein. Je nach Hautzustand können auch (zusätzlich)fraktionierte Laserbehandlungen, Needling, Ultraschalllifting bzw. Filler einen verschönernden Effekt erreichen.

Dr. med. Michaela Schmidt-Lauber ist Fachärztin für Dermatologie und zertifizierte Neurodermitistrainerin
Dr. med. Michaela Schmidt-Lauber ist Fachärztin für Dermatologie und zertifizierte Neurodermitistrainerin

Bringen Antifaltencremes wirklich etwas? 

Dr. Schmidt-Lauber: Die Wirksamkeit von Antifaltencremes ist von den Inhaltsstoffen abhängig. Produkte mit Hyaluronsäure und Kollagen können Trockenheitsfältchen mildern, sie gelangen aber nicht durch unsere Hornschicht. Vitamin-A Säure (Tretinoin) durchdringt die Hornschicht und hemmt Enzyme, die für den Abbau des Bindegewebsgerüstes unserer Haut verantwortlich sind. Somit können damit nachweislich kleine Falten behandelt werden. Hierbei handelt es sich allerdings um eine verschreibungspflichtige Substanz, die nicht von allen Hauttypen vertragen wird und auch aufgrund möglicher Nebenwirkungen nur von einem Hautarzt oder einer Hautärztin verordnet werden sollte. Das damit verwandte Vitamin A (Retinol) ist frei verkäuflich, ist aber deutlich wirkungsärmer.

Kann Cellulite durch Cremen reduziert werden?

Dr. Schmidt-Lauber: Cellulite ist eine Erkrankung des Bindegewebes, die genetisch bedingt ist. Verkürzte Bindegewebsstränge ziehen die Haut in die Tiefe und bedingen ein unregelmäßiges Hautbild. Bei milden Formen kann durch gezieltes Muskel- und Faszientraining sowie gesunde Ernährung eine Straffung erzielt werden. Auch minimalinvasive Eingriffe durch Dermatolog:innen können eine Verbesserung bewirken. Dabei werden die Bindegewebsstränge durch kleinste Einstiche durchtrennt. Cremes alleine wirken hier jedoch nicht sichtbar.

Bei Fragen oder für eine individuelle Beratung stehen wir unseren Patient:innen sehr gerne zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

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