Die Besonderheiten der Haut von Kindern und Babys

Die Haut von Kindern und Babys ist grundlegend anders als die von Erwachsenen - in ihrem Aufbau, ihrer Reaktion und in ihrem Pflegebedürfnis. So ergeben sich im Umgang, der Diagnose und der Behandlung von Kinderhaut besondere Anforderungen an die dermatologischen Expert*innen. Daher ist eine Spezialisierung darauf sinnvoll und zielführend.

Durch ihre langjährige Arbeit und Spezialisierung auf Kinderhaut ist Dr. med. Barbara Kunz eine der wenigen dermatologischen Expertinnen, wenn es um Hautprobleme oder mögliche Allergien bei Babys und Kindern geht. Sie hat eine zweijährige Zusatzausbildung in Kinderdermatologie, ist Vorstandsmitglied der Europäischen Fachgesellschaft für Pädiatrische Dermatologie (ESPD) und ausgebildete Neurodermitis- und Psoriasis-Trainerin.

Wie unterscheidet sich die Haut von Erwachsenen, von der von Babys bzw. Kleinkindern?

Dr. med. Barbara Kunz: Die Hautzellen eines Babys sind kleiner und die Hornschicht dünner als bei Erwachsenen. Zudem hat die Babyhaut noch nicht die mechanische Festigkeit der Erwachsenenhaut erreicht. Sie reagiert deshalb empfindlicher auf Reibung und ist leichter irritierbar. Da auch das Immunsystem der Haut den Umgang mit der Umwelt noch trainiert, sieht man bei Kindern andere Krankheitsbilder als bei Erwachsenen (z.B. Hautausschläge bei Kinderkrankheiten).

Andererseits zeigen wiederum manche Hautkrankheiten bei Kindern ein anderes klinisches Bild und / oder einen anderen Verlauf.

Welche Besonderheiten in der Pflege ergeben sich dadurch für Kinderhaut?

Aufgrund ihrer Struktur ist die Babyhaut durchlässiger für Substanzen, mit denen sie in Kontakt kommt. Die beste Pflege für empfindliche Babyhaut verzichtet deshalb auf unnötige, potenziell allergieauslösende Inhaltsstoffe wie Duft- und Konservierungsstoffe oder Wollwachs. 

Ab wann spricht man von „Erwachsener Haut“?

Die Entwicklung der Haut ist ein jahrelanger Prozess. Im Säuglingsalter ist besonders die Durchlässigkeit der Hautbarriere und Verletzlichkeit noch erhöht. Eine stärkere Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht besteht wesentlich länger. Und sogar in der Pubertät reagiert die Haut aufgrund der besonderen hormonellen Situation anders als im Erwachsenenalter. Der Prozess ist also fließend. 

Frau Dr. med. Barbara Kunz ist seit 2008 Fachärztin am Dermatologikum Hamburg und leitet die Sprechstunde für Kinderdermatologie
Frau Dr. med. Barbara Kunz ist seit 2008 Fachärztin am Dermatologikum Hamburg und leitet die Sprechstunde für Kinderdermatologie

Welche scheinbar „harmlosen“Produkte und Inhaltsstoffe können besonders bei Kindern dermatologische Reaktionen hervorrufen und wie äußern sich diese?

Körperpflegeprodukte für Kinder und sogar Babys enthalten oft erschreckend viele Duft- und Konservierungsstoffe - leider gehören diese zu den häufigsten Auslösern von Kontakt-Allergien bei Kindern. Shampoos, Feuchttücher oder Pflegecremes - je nach Anwendung kann es zu lokalen oder auch großflächigeren Entzündungen der Haut kommen, die einer Neurodermitis ähneln können. Auch Wollwachs, das häufig in Babypflegeprodukten enthalten ist, gehört zu den möglichen Allergie-Auslösern. Das weltweit häufigste Kontaktallergen bei Kindern ist allerdings Nickel. Es ist in Modeschmuck und Piercings, Kleidung (z.B. Jeansknöpfen), Spielsachen und Spielkonsolen enthalten. Bei kleinflächigem Kontakt mit dem Metall, z.B. durch Ohrringe oder den Knopf an der Hose, kommt es genau an der Kontaktstelle zu einer Rötung und kleinen Papeln, die Juckreiz verursachen. Ist das verantwortliche Allergen in Spielzeug enthalten, beobachten wir oft ein Hand- oder Fingerkuppenekzem.

Häufiger als Erwachsene reagieren Kinder auch auf sogenannte Henna-Tatoos, schwarze Hautmalereien, die Urlaubern an manchen Ferienorten gerne angeboten werden. Verantwortlich ist ein stark allergieauslösender Stoff, Para-Phenylendiamin, der eine heftige Entzündung verursacht. Diese Allergie bleibt ein Leben lang bestehen.

Welche Körperregionen sind von Kontaktallergien am häufigsten betroffen?

Kontaktekzeme betreffen bei Schulkindern meistens Gesicht, Hals, Hände und Füße. Das betroffene Körperareal kann uns Hinweise auf den Auslöser geben. Ein hartnäckiges Ekzem der Fußrücken kann durch einen Inhaltsstoff in den Schuhen verursacht werden. Bei Hautveränderungen an den Schienbeinen sind es eventuell die Schienbeinschoner, die das Kind beim Sport trägt.

Kontaktallergien bei Säuglingen sind dagegen sehr selten. Ist die Windelregion betroffen, liegt es meist nicht an der Windel selbst. Stattdessen können Feuchttücher der Auslöser sein. Als Hauptallergen wurde hierbei Methylisothiozinolon, ein Konservierungsstoff, identifiziert.

Können Allergien auch Phänomene wie Schlafstörungen, Hyperaktivität, Halsschmerzen oder Husten auslösen?

Es gibt verschiedene Arten von Allergien. Neben den Kontaktallergien, bei denen die Haut betroffen ist, können wir auch mit den Schleimhäuten auf Substanzen reagieren, die wir einatmen. Das sind zum Beispiel Pollen oder Hausstaubmilbenallergene. Symptome sind dann verstopfte Nase, Niesreiz, Fließschnupfen, gerötete und juckende Augen oder auch Husten und Atemnot. Solche Beschwerden können dann auch zu Schlafstörungen führen.

Können Eltern diese durch Allergien ausgelösten Reaktionen von regulärem Husten bzw. Schlafstörungen unterscheiden?

Eine durch Viren ausgelöste Erkältung ist meist nach einer Woche ausgestanden. Bei einer Hausstaubmilbenallergie hört der Husten nicht auf und tritt außerdem überwiegend in der Nacht auf. Bei einer Pollenallergie beobachtet man die Beschwerden jeweils zu der Jahreszeit, in der die verantwortlichen Pollen gerade fliegen. Hilfreich ist ein Symptomtagebuch, in dem man jeden Tag die Beschwerden festhält. Zusammen mit dem Arzt oder der Ärztin kann man dann mögliche Auslöser besser identifizieren.

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