Irritierte Kopfhaut - Herausforderungen und Lösungsansätze

80.000 bis 120.000 Haare hat ein Erwachsener im Durchschnitt auf dem Kopf. Diese unterliegen einem ständigen Kreislauf von Wachstum, Stillstand und Ausfallen. Dieser komplexe Zyklus kann Schwankungen unterliegen, deren Ursache nicht immer leicht zu identifizieren sind. Kein Wunder, dass es im Bereich Kopfhaut und Haare oft zu Irritationen und Problemen kommen kann, denn Hormone, Wachstumsfaktoren, Medikamente, psychische und seelische Faktoren, Autoimmunerkrankungen, Mangelzustände oder die eigene Genetik können auslösende Faktoren sein.

Als Fachärztin für Dermatologie und Allergologie hat sich Dr. med. Désiréé Hölscher u.a. auf die Themen Kopfhaut und Haare spezialisiert. Im Interview berichtet sie über die speziellen Herausforderungen und Lösungsansätze.

Wie häufig geht es im dermatologischen Alltag um das Thema Kopfhaut und Haare?

Dr. med. Désiréé Hölscher: Kaum eine Struktur des menschlichen Organismus ist so empfindlich wie der Haarfollikel. Wir sind im dermatologischen Alltag tatsächlich häufig mit Fragen und Problemen rund um die Kopfhaut beschäftigt. Daher haben wir eine Spezialsprechstunde für Haar- und Kopfhauterkrankungen am DERMATOLOGIKUM Hamburg eingerichtet.

Wann spricht man von irritierter Kopfhaut?

Sie juckt, sie schuppt, sie spannt, es bilden sich Ablagerungen und Pickelchen oder die Haare gehen vermehrt aus. Die Patient:innen probieren zunächst meist eine Menge an Produkten und Hausmitteln selbst aus, bevor sie mit ihren Sorgen zu uns in das DERMATOLOGIKUM kommen. Betroffene fühlen sich einfach nicht mehr wohl und der psychische Leidensdruck ist oft groß.

Können Schuppen auch durch irritierte Kopfhaut entstehen? 

Tatsächlich entstehen Schuppen oft auf irritierter Kopfhaut und können so selbst die Ursache des Problems sein. Betroffene kratzen an den juckenden Stellen und verstärken so die Schuppenbildung noch zusätzlich. Kopfhautschuppung kann verschiedene Auslöser haben, so etwa Psoriasis, Pilzbefall, eine bakterielle Entzündung oder ein bestimmtes Shampoo wird nicht vertragen.

Dr. med. Désirée Hölscher ist Fachärztin für Dermatologie und Anästhesiologie und bereits seit 2001 am DERMATOLOGIKUM Hamburg.
Dr. med. Désirée Hölscher ist Fachärztin für Dermatologie und Anästhesiologie und bereits seit 2001 am DERMATOLOGIKUM Hamburg.

Was sind die klassischen Behandlungsansätze und wie kann man Kopfhaut-Problemen vorbeugen? 

Stress und Kopfhaut sind eng miteinander verbunden. Wenn wir überlastet sind, neigen wir dazu, vermehrt (oft komplett unbewusst) zu kratzen und so das Problem der irritierten Kopfhaut zu verstärken; es bilden sich immer neue Schuppen und weitere Entzündungen um den Haarfollikel. Allgemein gesprochen fühlen wir uns, wenn wir balanciert sind, in unserer Haut wohl. Das Gleiche gilt für unsere Kopfhaut. Daher ist ein wirklich mildes, pflegendes Shampoo ohne Sulfate und ohne Parabene wichtig. Auch sollten die Haare nicht täglich gewaschen werden, das trocknet die Kopfhaut aus und führt schnell zu Irritationen.

Unser Ziel ist es krankheitsauslösende Faktoren (Pilzbefall, bakterielle Besiedlung; Schuppenflechte) zu identifizieren und diese gezielt therapeutisch anzugehen (z.B. mit speziellen Antipilz-Shampoos).

Eine gerötete und stark juckende Kopfhaut kann zeitlich befristet gut mit einer Kortisonlösung therapiert werden. Auch einige Shampoos enthalten bereits Inhaltsstoffe gegen Juckreiz, Schuppen. Diese können gezielt als präventive Maßnahme bei Vorbelastung verwendet werden. Bei hartnäckigen Problemen können wir mit spezifischen Lösungen und Salben behandeln und gute Erfolge erzielen.

Manche Patient:innen haben Schmerzen, wenn sie ihren Kopf auf Kissen legen. Woran kann das liegen? 

Es gibt eine sogenannte Trichodynie, das ist ein Haarwurzelschmerz, der bei Stress und extremer innerer Anspannung auftreten kann. Der perifollikuläre Bereich, d.h. die Region um das Haar herum, ist dann entzündlich verändert oder gereizt und führt zu hoher Empfindlichkeit und Schmerzen. Auslöser können jede Art von innerer und äußerer Belastung sein. Also von vermehrtem Stress und Anspannung über zu heißes und häufiges Waschen und Föhnen bis hin zu streng gebundenem Zopf. Abhilfe können also alle Entspannungsmaßnahmen schaffen. Meditation, Yoga, Atemübungen, Kopfhautmassagen mit natürlichen Ölen etc. In schweren und langfristigen Fällen kann auch eine Mikrodosis Botox, in die Kopfhaut gespritzt, für die gewünschte Entspannung sorgen.

Sie haben Interesse an einer Haut - oder Haarsprechstunde bei Dr. med. Désiréé Hölscher? Jetzt hier Termin vereinbaren.

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