Krampfadern sind mehr als ein kosmetisches Problem

Krampfadern gelten noch immer als rein kosmetisches Problem dabei zählen sie zu den häufigsten chronischen Gefäßerkrankungen überhaupt. Moderne Medizin kann heute weit mehr leisten als klassische Operationen, doch vielen Betroffenen ist das nicht bewusst.

PD Dr. med. Lars Müller ist Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie mit Zusatzbezeichnung Phlebologie am Dermatologikum Hamburg. Er erklärt, warum eine frühzeitige Diagnostik entscheidend ist, welche minimalinvasiven Therapien heute als Goldstandard gelten und wie moderne Venentherapie die Lebensqualität nachhaltig verbessern kann.

Priv.-Doz. Dr. med. Lars Müller

Priv.-Doz. Dr. med. Lars Müller

Leitung Gefäßabteilung | Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, Phlebologie

PD Dr. Müller ist Experte für endovaskuläre Venenchirurgie und Gefäßdiagnostik mittels Duplex-Sonographie. Mit langjähriger klinischer Erfahrung und wissenschaftlicher Expertise bietet er präzise Diagnosen und maßgeschneiderte Therapien bei Gefäßerkrankungen.

mehr
  1. Was ist die Ursache einer Krampfadererkrankung?

    Die Behandlung von Krampfadern gehört zu den am häufigsten durchgeführten Eingriffen in Deutschland. Krampfadern entstehen durch eine Funktionsstörung der Venenklappen, die normalerweise den Rückfluss des Blutes verhindern. Werden sie undicht, kann Blut insbesondere beim Stehen zurückfließen und erhöht den Druck in den betroffenen Venen. Dadurch entstehen sichtbare, über das Hautniveau hervortretende Krampfadern. Mit der Zeit können zudem Entzündungen auftreten, die zu Schwellungen, Hautveränderungen oder im schlimmsten Fall zu offenen, schlecht heilenden Wunden führen.

  2. Warum werden Krampfadern oft unterschätzt, obwohl sie medizinisch relevant sind?

    Krampfadern werden häufig als rein kosmetisches Problem wahrgenommen, dabei handelt es sich um eine chronische Gefäßerkrankung. Unbehandelt kann der dauerhaft erhöhte Venendruck zu Entzündungen, Hautveränderungen und im fortgeschrittenen Stadium sogar zu offenen Wunden führen. Eine frühzeitige Diagnostik ist daher nicht nur aus ästhetischer, sondern vor allem aus medizinischer Sicht sinnvoll.

  3. Wie erfolgt die Diagnostik?

    Für eine sichere Diagnose ist eine präzise Untersuchung mittels Duplexsono graphie unerlässlich. Mit diesem Verfahren lässt sich zweifelsfrei feststellen, ob eine Erkrankung der Stammvenen vorliegt und wie ausgeprägt sie ist. Gleichzeitig dient die Untersuchung der exakten Dokumentation und Therapieplanung.

  4. Welche Behandlungsmethoden setzen Sie und ihr Team ein und warum?

    Die Therapie besteht aus der operativen oder interventionellen Ausschaltung der erkrankten Stammvenen. International werden dabei minimalinvasive endoluminale Verfahren insbesondere thermische Methoden wie Laser- oder Radiowellenbehandlung als Mittel der Wahl empfohlen. Diese Verfahren haben sich durch ihre Präzision, ihre hohe Effektivität und eine schnelle, schonende Behandlung für die Patient:innen bewährt. Unser Schwerpunkt liegt daher eindeutig auf thermischen endoluminalen Techniken.

  5. Eignen sich die Verfahren auch für komplexe Fälle?

    Ja. Moderne thermische Verfahren können selbst in Behandlungssituationen eingesetzt werden, in denen sie früher als weniger etabliert galten beispielsweise bei Rezidiven oder der Behandlung von Perforansvenen.

  6. Gibt es auch alternative Verfahren?

    Neben den thermischen Techniken existieren nicht-thermische Ablationsmethoden sowie die Verklebung der Vene mit Cyanoacrylat. Diese Methoden werden zunehmend häufiger angewendet, sind den thermischen Verfahren jedoch aus verschiedenen medizinischen Gründen in ihrer Effektivität und Anwendungstiefe unterlegen.

  7. Was unterscheidet moderne Venentherapie heute von den klassischen Operationsmethoden früherer Jahre?

    Die moderne Venentherapie ist deutlich schonender und präziser geworden. Statt größerer chirurgischer Eingriffe kommen heute minimalinvasive, endovenöse Verfahren zum Einsatz, die unter Ultraschallkontrolle durchgeführt werden. Patient:innen profitieren von kürzeren Behandlungszeiten, weniger Schmerzen und einer schnellen Rückkehr in den Alltag, oft noch am selben Tag.

  8. Gibt es typische Patient:innengruppen, die besonders von neuen Therapieverfahren profitieren?

    Ja, insbesondere Patient:innen mit beruflich hoher körperlicher Belastung, langen Stehzeiten oder eingeschränkter Mobilität profitieren von minimalinvasiven Verfahren. Auch bei Rezidiven oder komplexen anatomischen Befunden bieten moderne Techniken heute sichere und effektive Lösungen, die früher nur operativ behandelbar waren.